Das mehrdimensionale Spiel mit der Sprache

In dem eindrucksvollen Gespräch mit Elisabeth Wehling habe ich gestern in der taz einiges über den Begriff Framing gelernt.

Die Bedeutung einzelner Worte ist relevant und führt dazu, das sie für jeden Satz einen Deutungsrahmen („Frame“) im Gehirn erzeugt. So verarbeiten wir Fakten (>> Die Fakten haben ja nie eine Bedeutung an und für sich, sondern wir müssen sie interpretativ einordnen<<). Und auf diesem Weg nehmen die Gehirne von Menschen Kontakt miteinander auf.

Dass durch bewusste Wortwahl und Metaphorik, beim Gegenüber unbewusst Assoziationen gepflanzt werden können, die durch häufige Wiederholung einen vermeintlichen „common sense“ entstehen lassen, löst mein Alarmsystem aus: Obacht, Manipulation. Denn je nach strengem oder fürsorglichen Weltbild geht es dabei >> um Werte wie Disziplin, Bestrafung und Belohnung, Sozialdarwinismus oder starke männliche Autoritäten<< beziehungsweise >>Empathie, Kooperation, soziale Fürsorge, individuelle Befähigung und Schutz vor Schaden<<.

Glücklicherweise sind wir den Sprachverführungen nicht gänzlich ausgeliefert, denn unser Gehirn simuliert immer mit, ob eine Situation authentisch ist bzw. bleibt. Und in Bezug auf meinen Alltag (und  Kulturauftrag) hilft mir die folgende Einschätzung Wehlings:

>>Lügen, verfälschte Fakten und Hass gehören nicht in die menschlich verantwortungsvolle Politik. Demokratische und progressive Geschichten sollten erzählt werden, mit Frames von Empathie, Miteinander, Nächstenliebe, gegenseitiger Befähigung und Schutz. Dass die funktionieren, hat die Popkultur mit Filmen, Büchern und Theaterstücken, die auf diesen Werten basieren, immer wieder gezeigt.<<

Und – aber das kennen wir vom Schlagzeugspielen eh –
>>Es ist wichtig, eine klare, eigene Geschichte zu erzählen.<<
(Das gilt auch für’s Weitervermitteln von Inhalten und Konzepten)

PS. und der negative Nachgeschmack des Framing lässt sich ruckzuck positiv für’s eigene Lernverhalten drehen, also instrumentalisieren…

hand framing.jpg

Weiterlesen:
Elisabeth Wehling „Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht“ 2016
George Lakoff und Elisabeth Wehling „Auf leisen Sohlen ins Gehirn. Politische Sprache und ihre Macht“ 2007

PPS. geschickterweise hat sich der tolle Friedemann Karig eben auch noch mit Frau Wehling unterhalten – (dank) „jetzt“ ist alles klar!

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2 Antworten to “Das mehrdimensionale Spiel mit der Sprache”

  1. Einklang | E-BEATS Says:

    […] elektronische Beat Kultur « Das mehrdimensionale Spiel mit der Sprache […]

  2. Die Zunge | E-BEATS Says:

    […] die in dieser etwas aus den Angeln gerutschten Zeit ein paar gute Ideen ausspricht: sich gute Geschichten erzählen, sprich: miteinander sprechen (und nicht nur Kontext-befreit irgendwelche Zeilen durch […]

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