nur in der Musik!

>>Es gibt diese seltenen Momente, in denen Musiker gemeinsam an etwas rühren, das wunderbarer als alles ist, was sie je zuvor in Proben oder Auftritten gefunden haben, etwas, das über bloße Zusammenarbeit und technisches Können hinausgeht, das die Ausdruckskraft ihrer Musik so gelöst und attraktiv wie Freundschaft oder Liebe wirken läßt. Eben dann erlauben sie uns einen flüchtigen Blick auf das, was wir sein könnten, auf unser ideales Ich und auf eine unmögliche Welt, in der man alles, was man besitzt, fortgibt und doch nichts verliert. Draußen in der realen Welt gibt es visionäre Projekte, detaillierte Pläne von friedfertigen Imperien, in denen sämtlich Konflikte gelöst sind und das Glück aller auf ewig existiert – Trugbilder, für die Menschen zu sterben und zu töten bereit sind. Das Königreich Christi auf Erden, das Arbeiterparadies, der ideale islamische Staat. Doch nur in der Musik und nur in seltenen Augenblicken hebt sich tatsächlich dieser Vorhang, um verlockend den Traum einer Gemeinschaft heraufzubeschwören, der mit den letzten Noten wieder verschwindet.<<

Ian McEwan bringt auf den Punkt, was ich nicht in Worte fassen kann. (aus „Saturday„, S. 240)

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