Umsteigen

Man kennt’s: eine verheissungsvolle Eingangssequenz nimmt dich bei der Hand und setzt dich satt auf den Beat. Beim Einsatz der Rest-Kapelle/Programmierung tut es aber einen kräftigen Ruck und jetzt ist klar: jene versprochene „eins“ war irgendetwas anderes…
Mark Butler nennt diesen Kunstgriff „turn the beat around“ und ordnet ihn als Stilmittel der DJ-Kultur ein. Aber auch in so mancher kopflastigen Genre-Schublade (Jazz, Fusion, Math-Rock) finden sich derartige Verschieber en masse.

Verzwickt wird die Situation dann, wenn Bauch (und Kopf) von der falsch gehörten „eins“ nicht loskommen. Um eine ausgedehnte Phase des Nebenher-Konzertierens zu vermeiden, empfehle ich neben dem gemeinsamen Üben jener Passagen, folgende Auswege:

Notfallplan (1) – krumme Einstieghilfe
Du analysierst die Diskrepanz deiner gefühlten und der gemeinten (realen) „eins“ und legst dir einen krummen Takt zurecht mit dem sich das Malheur ausgleichen lässt.
Ich höre zum Beispiel das Bassklarinetten-Intro eines Bartmes Titels („Human“) immer falsch, nämlich um eine Achtel versetzt. Seit dieser Erkenntnis zähle ich meinen Einstieg auf der falschen „eins“ des letzten Takts mit 7/8 vor. Funktioniert.

– auf optische Zeichen der Mitstreiter reagieren.
Funktioniert ebenfalls, auch wenn es sich fürchterlich anfühlt, sich bewusst der inneren Einschätzung zu widersetzen…
Ich durfte 2011 wieder mal bei den „Fantastischen Vier“ aushelfen und hatte einen suboptimalen Kopfhörermix. Hörte prompt den Einzähler bei „Mehr nehmen“ angeschnitten, sprich, zu spät und zack waren meine Sinne von der Synth-Sequenz auswegslos eingenommen. Natürlich merkte ich, dass was nicht stimmt, wusste aber nicht nicht genau „was“, konnte folglich auch nicht guten Gewissens irgendwo einsteigen. OK: Nummer wird abgebrochen, alles halb so wild, der Track wird auf’s Neue gestartet, aber auch klar: warum sollte die Synth-Sequenz jetzt richtig gehört werden? Oh weh..Geschickterweise hatte ich diesmal alle „Vier“ als optisch unmissverständliche Einzählhilfe, auf dich ich mich selbstverständlich (mit dem unschönen Gefühl, bodenlos in der Luft zu hängen) draufsetzte. Geschafft. Und nach ein, zwei Takten wird dann auch die wirkliche Taktschwerpunkt akzeptiert.
Toll, wenn in so einer Situation unaufgeregt geholfen, statt gedisst wird.

Notfallplan (2) aka Holzhammer: In den (sich schon ankündigenden) Fehler mit sattem Crash (auf die vermeintliche „eins“) reinschrammen, dann: kurz innehalten – professionell gesprochen: einen Drum Mute machen, um auf die nächste, wirkliche „eins“ (dank dienlicher Signale der Kapelle, oder weil sie ebenfalls „mitstoppt“ und dich und sie neu einzählt) wieder fett einzusteigen…
Auch diese unangenehme Sitution musste ich mit einem tollen Akt erleben, letzten Sonntag mit Tab Two. Schon bei der gemeinsamen Probe war mir klar, dass ich den „Belle Affaire“ Wiedereinstieg mittels Trompeten-Pick Up fälschlicherweise vorgezogen höre. Natürlich habe ich mir diese Stelle daraufhin zigfach angehört, aber leider nie selbstverständlich so empfunden. Beim Gig dann: altes Muster. Und – Crash – voll daneben!
Na gut…kleine Pause und weiter. Jetzt bloß nicht (beim Weiterspielen) schämen, grämen, ärgern. Lieber alle Energie ins weitere Musikmachen stecken. Denn das Geschehene lässt sich eh nicht rückgängig machen – wozu auch: Fehler gehören zum Leben (auch an jenen Stellen, an welchen man sich am liebsten von seiner besten Seite gezeigt hätte).Und nachdem ich jetzt ein Bootleg des Gigs gehört habe wurde klar, dass sich diese Schrecksekunde weitaus weniger drastisch anhört, als ich sie gefühlt hatte…

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