die Linke elektrifiziert mich

Möchte die gestrigen Schaltergedanken noch etwas vertiefen…

Mit dem Boss-Volumenpedal hinterm Echogerät hat’s eigentlich angefangen.
Was ursprünglich als Not-Ausschalter gedacht war – falls ich vor lauter Trommeln das Feedback nicht mehr bändigen oder ein miserabel getapptes Tempo nicht mehr retten kann – hat sich schnell als weitere Groove-Ebene etabliert. Denn das große Pedal lässt sich selbst mit einem Stock in der Hand bequem an und ausdrücken. Und vor allem unquantisierte Delays, Noise Wolken und aufgeschaukelte Feedback-Töne lassen sich energiereich und/oder rhythmisch auf den Punkt nach draussen „hämmern“.

Um noch virtuoser rhythmisch stottern zu können kam bald der Wunsch nach einem Taster auf, der im Normalbetrieb das Signal durchlässt und in gedrückter Stellung stummschaltet. Eine solche Box scheint es aber nicht von der Stange zu geben. So kam es zum Bastelauftrag für Lupo, der dieserart einfach eine Box mit Klinken Ein-und Ausgang und einem robusten, etwas größeren Taster ausstatten sollte.

Gleichzeitig wollte ich in dieser Box noch einen zweiten Button unterbringen, mit dem ich per Knopfdruck einen dubby Reverb-Shot auf die PA schicken kann…

Im echten Leben entsteht dieser Effekt, in dem der Tontechniker auf einen anvisierten Snareschlag hin kurz den Auxweg öffnet, an dessen Ende sich ein langer Hallraum befindet. Beim Trommeln ist es aber schwierig, nebenher ein so kurzes Zeitfenster zu treffen, daher entschied ich mich, den Reverb-Shot auf anderem Weg zu bauen: der Snarekanal (oder ein Triggersignal) wird mit dem längsten Hallraum mein Geräts verbunden. Jeder Snareschlag geht also in den Hall und türmt sich allmählich zu einer langklingenden Raumwolke auf. Durch einen Taster der genau umgekehrt wie der oben beschriebenen Echo-Notschalter funktioniert, komme ich meiner Vorgabe nahe. Sprich: im Normallfall ist „draussen“ nichts von dem Hall-Kanal zu hören, erst wenn und solange ich auf den Knopf drücke erklingt der Effekt. Da der Effekt nach jedem Schalg eine Weile (be)stehen bleibt, ist keine Eile zum Drücken geboten. Und meine Verweildauer auf dem Button bestimmt, ob nun kurze Nadelstiche oder ambientartige laaaange Paralleluniversen zu hören sind. Rhythmische Drückmuster erinnern an einen scratchenden DJ. Und mache ich zum Beispiel konsequent eine Achtel nach jedem Snare-Akzent den Raum auf, fühlt man sich prompt in die 80er Jahre zurückversetzt…(- das Gegenstück zu meinem „rhythmic gating“ Ding)

OK. Schliesslich wurde mir von Lupo diese zweikanalige Box mit einem Taster für die Delay-Unterbrechungen und einem Taster für Reverb-Shots gebaut. Meine erste Playstation!

Das rhythmische Taster-Drücken hat mich in zweierlei Hinsicht schwer fasziniert.
Erstens, dass ich meinen laufenden (Einhand-) Groove, locker mit einer völlig anderen, elektrifizierten Ebene konfrontieren, erweitern, steigern kann. Quasi Drummer und Produzent in Personalunion!
Zweitens, dass ich frei trommeln und interagieren kann und die Elektronik meinem Tempo folgt! (Denn ähnlich wie ein untighter Rhythmus im permanten Loop Sinn und Groove erfahren kann, wird durch konsequent rhythmisches Drücken jeglicher Elektronikversatz seine Beliebigkeit verlieren und den Beat bereichern.)

Klar, dass sich daraufhin nun jedes Gerät mit einer Foot-Switch Buchse der Tauglichkeitsprüfung für den Bühneneinsatz unterziehen muss. Mein Highlights sind der Snare triggernde Coron DS, die FX Unit des Roland SPD-S und diverse Effektgeräte, die auf FX only eingestellt werden.

A/B-Boxen bieten ebenfalls viel Potential – aber die werden von mir in der Regel mit dem LINKEN FUß bedient…

Daher nochmal zurück zur Volumen-Pedal Idee, die lässt sich nämlich auch elegant auf ein DJ Pult übertragen: der Delay-Signalweg endet einfach in einem Kanal des DJ-Mischers und gibt’s Probleme, ziehe ich einfach den Fader nach unten. Natürlich lassen sich auch die rhythmischen Spielereien bestens umsetzen – schliesslich habe ich diese Kunstgriffe ja aus der DJ-Kultur übernommen…Und als zusätzliche Sahnehaube erweisen sich die Killswitches des Equalizers.
Noch interessanter wird es, wenn ich einen weiteren Kanal mit einem anderen Effekt belege. Denn durch den Crossfader ergibt sich eine weitere rhythmische Spielebene, die das Springen zwischen bzw.das  Überblenden von zwei Effektklängen erlaubt.
Auch der „Room Shot“ lässt sich mit dem Pult umsetzten. Entweder durch die oben beschriebene Verkettung: Mic-Signal/Coron spielt in einen großen Hall und durch öffnen des Faders wird der Raum nach draussen geschickt. Oder ich schleife den Hall über einen Aux-Weg ein und kann dann – steht der Einschleifweg auf „pre“ – wie gehabt verfahren, oder aber – steht der Einschleifweg auf „post“ – durch eine kurze Faderöffnung das Signal tatsächlich nach allen Regeln der Dub-Kunst in den Hall schicken.

Jetzt fehlen zur Vollständigkeit der linken Breitseite eigentlich nur noch die Exoten (Chord Memory + Arpeggiatoren, die Kaste der Finger Drummer), sowie die Aufzählung meiner heissgeliebten Tap-Geräte – die mir sowohl den Einstieg ins autarke Effektieren, als auch Befreiung aus der Clicktrack-Slaverei ermöglicht haben:
einige Delays (Line6 Dl4, Diamond Memory Lane, Boss RE-20, Boss DD-20, Roland SDE-3000, Korg SDD-1000 – übrigens And.Y Liebstes), der Boss Slicer SL-20, die Oto Machine Biscuit (mit Step Filter und Delay und diversen Buttons), und schliesslich der 3-4-One Tap-to-Midi-Taster (um alle MIDI-fähigen Geräte mitzuziehen). Auch toll – aber leider nicht in meinem Besitz: Lexicon Jamman (Delay und Looper), Line6 FM4 Filter, Moog Murf (Step Filter).

P.S. In diesem Beitrag beschränkt sich die händische Elektrifizierung auf oldschoolig anmutendes Outboard. Natürlich lassen sich im Computer-Bereich diverse Controller (ich denke da gerade mal an Tastaturbefehle, das Launchpad und den Wii-Controler) nach deinen Bedürfnissen belegen, um damit deine favorite PlugIns mit einer Hand fernsteuern zu können.

NACHTRAG: hier noch drei Piktogramme aus dem öffentlichen Raum, die folgende Handgriffe hervorragend verdeutlichen:
1. Tap Tempo 2. die gröberen Buttons meiner Playstation 3. das Volume-Pedal wird mit der Faust bedient

3 Antworten to “die Linke elektrifiziert mich”

  1. on/off via Pad « E-BEATS Says:

    […] das konnte ich bisher nur durch einen Faustschlag oder Fusstritt auf die zweckentfremdete A/B-Box oder ein Volumen-Pedal (suboptimal) umsetzen. Alex Di Carlo hat einfach den Chip seiner „Chupa Box“ derart […]

  2. zerhexelt « E-BEATS Says:

    […] nichts wie ran an die rhythmisch traktierbaren: Potis, Fader, Mute-Schalter, Volumenpedale, Kippschalter, Taster, Eigenproduktionen, […]

  3. Die Insert-Buchse | E-BEATS Says:

    […] sie anschliessend durch eine ON/OFF Applikation schicken (z.B. das Snare-Signal durch eine A/B-Box, das gesplittete Voc-Mike durch den Superswitcher-Send-Button oder durch ein Volume-Pedal), die […]

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