Im Kabelknäuel

Anknüpfend an den Acid-Beitrag gibt es eine Weiterentwicklung zu vermelden:
ein akustisch-elektronisches Hybrid-Set für’s völlig freie Spiel – mit Club-Approach!

Also begab ich mich letzten Freitag zu Uwe ins Studio, um mit dem neuen Setup ein wenig aufzunehmen, aber auch, um einen kurzen Trailer für die Uwe Schenk trifft Show mitzuschneiden (- bei der ich am 24.03.10 zu Gast sein werde).  Geschickt, denn eben dieses krautige Amateurvideo soll mir jetzt helfen, dir den aktuellen Technik-Wahnsinn zu verdeutlichen:

Die akustische Basis ist übersichtlich: Kick, Snare, Hihat. Crash, Sizzle-Ride und ein Trash-Hat. Die Klangvielfalt entsteht wie gewohnt durch facettenreiches Stock-und Schüttelmaterial und die ein oder andere Auflage.(In dem konkreten Fall: ein dämpfender und zugleich dezent mitrasselnder One-Shot-Shaker auf der Snare und in der rechten Hand reduziert der Filzklöppel den Attack meiner Off-Hihat, zudem rasselt hochfrequent ein Ei, später ein Schellenstab, mit.)

Jetzt kommt Strom ins Spiel, denn das gesplittete Snare-Signal will vorverstärkt werden. Diese Funktion übernimmt der EHX Vocoder und schickt das Signal weiter über die links neben der Hihat zum An/Ausschalter abgestellte A/B-Box (Little Lehle), von dort weiter über ein kleines Pult („Verteiler-Pult 1“) zum eigentlichen Bestimmungsort: grünes Echogerät.

Ebenfalls an der Snare klemmt der Coron Drumsynth, dessen langes, abfallendes PIiUuuu-Signal durch ein Pult („Verteiler-Pult 2“), einen Hallraum (Alesis Microverb II) und den grünen Push-Button laufen wird, um bei Bedarf den Zuhörer mit Reverb-Shots zu erschrecken!

An der Bassdrum klemmt ein Trigger (Roland RT-10K). In ihm steckt ein gesplittetes Klinkenkabel, so dass ich den Mono-Impuls nun auf die beiden Kanäle des Tama Drumsynths (Techstar TS-206) verteilen kann. Diese stimme ich mit einer Oktave Unterschied und erziele so einen phätten phänomenalen analogen Bass-Sound.
Achtung Kunstgriff, das Boss Space Echo RE-20 kommt ins Spiel: Originalklang wird komplett weggedreht, nur eine Wiederholung eingestellt, und das Songtempo in Achtel getappt.
Trete ich nun auf der Kick Viertel, folgt mein „Bass“ in Achtel-Offs, trete ich die Kick komplexer, antwortet der Bass als Virtuose…

Jetzt gibt es noch ein drittes E-Drum, nämlich mein SPD-S (plus Fatkat Kickpedal), dessen Sounds alle (Ausgang L) den Filter und das Sequenzer-Pattern der Acidlab Bassline durchlaufen. Ich nenne diesen Ausgang mal: special equalized electronic content, oder so. Ausgewählte Sounds (Ausgang R) machen einen zusätzlichen Umweg über das „Verteiler-Pult 2“ zum „grünen“ Echogerät. Schliesslich wird ein Stereokabel aus dem SPD-S Kopfhörerausgang in das „Verteiler-Pult 2“ gesteckt, so dass sich auch alle SPD-S Klänge mit dem grünen Knopf durch den Hallraum „schiessen“ lassen.

Der Bassline Sequenzer läuft deshalb tight mit, da er von der Logic-Software (bzw. vom Motu Traveler) ein MIDI Clock Signal empfängt und ich mich natürlich auf einen ebenfalls dort angelegten Clicktrack draufsetze. Im Logic habe ich zudem noch einen synthetischen Akkord angelegt – harmonisch passend zu meinem Tama TS206 Bass, der Bassdrum-Stimmung und allen SPD-S Klängen-, der in einer Dauerschleife zum Vocoder fliesst und dort per Fussdruck in die Snare-Echo-Linie eingebunden werden kann.

Jetzt, nach einer gefühlten Stunde Tech-Talk (bzw. Aufbau!), kann ENDLICH nach Lust und Laune getrommelt werden.

Über das gewohnte Schlagzeugspiel (das mit zwei Stöcken…) hinaus,

gibt es für die linke Hand:
– einige Buttons zum Drücken (Reverb Shots, Echo Mute; Tap Tempo)
– diverse Knöpfe zum Drehen (Bassline Filter, Bassline Tempo, Echo Parameter)
– das Volumenpedal zum Drücken (Tama Bass On/Off)
– einmal die Möglichkeit, ein Kabel rauszuziehen: im Normalbetrieb wird das SPD-S Signal in den Audio-In der Bassline gesteckt. Mit dieser Einstellung kann die Bassline nicht ihre eigentliche Funktion erfüllen. Ziehe ich aber im laufenden Betrieb den Stecker raus, erklingt sofort ein typischer 303 Bass-Groove…

kann ich mit dem rechten Fuß
– die akustische Kick treten (und damit den Bass generieren)
– die elektronische Kick treten
– den Vocoder an- und ausschalten.

kann ich mit dem linken Fuß
– auf die A/B-Box treten und dadurch das Snare-Signal ins Echo schicken.

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7 Antworten to “Im Kabelknäuel”

  1. Philipp Says:

    Auf dieses Video hab ich lange gewartet! Hammer geil!!! Die endlose Vielfalt der Möglichkeiten ist – so denke ich – nur annähernd zu erkennen. Zu sehen, wie die Ideenkonstrukte in der Praxis aussehen, macht riesen Spaß. Mehr davon!

  2. carsten Says:

    Yeah! ®

  3. Phil Says:

    Hi Oli,
    extrem genial wie immer! Habe gerade die letzten Wochen meine ersten Echo/Akustikset Versuche hinter mir und lasse mich immer wieder gerne inspirieren von deinem Blog. =)
    Was benutzt du denn da genau für Becken?

    Viele Grüße

  4. oli Says:

    …die Becken sind allesamt von Meinl (klar) und zwar von R nach L:
    14″ Generation X Trash Hat
    20″ Byzance Club Ride
    14″ Byzance Jazz Thin Hihats Bottom / Byzance Traditional Thin Hihats Top
    17″ Byzance Jazz Extra Thin Crash

  5. DJ Drumming bzw. I get lifted « E-BEATS Says:

    […] die Freaks: Mein Setup ähnelt dem dort beschriebenen, mit folgenden […]

  6. Drumheroes!! « E-BEATS Says:

    […] Die Idee/Technik hinter meinem Solo-Beitrag „1 to 4″ kannst Du hier nachlesen. Jedenfalls wurden außer dem „Einzähler“ keine Zuspieler […]

  7. Little Lehle II Mod / Umbau zum momentary Switch | E-BEATS Says:

    […] Email aus dem Hause Lehle, ein Umbau-Tipp für den Little Lehle II – eigentlich eine A/B-Box – zum Taster, der entweder als Send- oder als Mute-Button funktioniert. Sprich eine […]

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