Lehrertage

Ich habe nichts getrunken, außer hochdosiertem Magnesium auch keine Drogen konsumiert (OK: der Holzboden des Konzertsaal ermöglichte bei der Erde zugewandtem Kopfnicken LSD typische Halluzinationen), dennoch fühle ich mich nach zwei dicht komprimierten Teachertagen wie im Rausch.

Klar, es gab unheimlich viel tollen Input – vier Highlights: 1. die beeindruckende Performance von Johannes Fischer beim Eröffnungskonzert (vor allem: Georges Aphergis‘ „Le Corps a Corps“), 2. durch den Verstimmungstrick von Manni von Bohr kann ich zukünftig beim Gig den Charakter der Snare durch Drehen nur EINER ( – der Sechs Uhr – ) Stimmschraube verändern, 3.ich habe mich sehr gefreut, Udo Dahmen seit langem mal wieder zu sehen und zu erleben, er erzählte mir auch Anekdoten aus seiner elektronischen Phase, 4.angesprochen auf seine Ideenvielfalt und persönlichen Stil erklärte René Creemers lapidar: >>wenn die anderen rechts abgebogen sind, ging ich links<<. Nice!

Und es war eine intensive Drummer’s Night. Mein Part dabei: die immense Energie von Randy Black aufzugreifen, weiterzuführen und irgendwie Trommeln und „Auflegen“ zu verbinden, beziehungsweise nahtlos zur Party im Felsenkeller überzuleiten…
Meine akustische Trommelabteilung ist nach wie vor eine übersichtliche Mischung aus Kick, Snare, Hihat und zwei Blechen, diversem Stock-und Auflagenmaterial, die maßgebliche Steuerung der elektronischen Facetten findet links von der Hihat auf dem Pedaltrain statt; dieses Effekt-Brett „rastet“ auf einem (mittlerweile acht Höheneinheiten hohen SKB) Rack ein und klettet folgenden Möglichkeiten an sich: Delay Spielereien, Reverb-Shot, Clap On/Off, Ableton-Fernbedienung.

Jetzt zum elektrischen Signalfluss unter der Lupe:
* Snaretrigger
Auf dem Snare-Rim klemmt ein Roland Trigger (RT-10T), der bei jedem Snare-Schlag zunächst im Simmons MTX-9 ein Handclap-Sample, anschliessend (weil durchgeschliffen) im Tama Drumsynth (Techstar TS-206) einen längeren, rauschenden Ton erzeugt. Der Clap lässt sich mit dem Volumenpedal zuschalten, der Tama-Ton driftet permanent in einen laaaangen Echoraum (Alesis Microverb II), wird aber nur durch Drücken des grünen Knopfes nach draussen geschickt, um dort als „Reverb-Shot“ einen Bezug zum Dub-Genre zu schaffen.
*Kicktrigger
Auch die Bassdrum hält einen Roland-Trigger (RT-10K). Dieser generiert eine fetten Analogsound im zweiten Kanal des TS-206, der durch Aufdrehen des Volume-Potis zugemischt werden kann.
*Mikrofon
Das Snare-Mic wird auf dem Boden durch den EHX Vocoder vorverstärkt, gelangt von dort über einen On/Off-Fuss-Schalter (die Little Lehle A/B Box links neben des Hihatpedals) ins Line6 DL-4 Delay. Dort wird das Signal getappt und/oder verdreht, gegebenenfalls auch (mit dem roten Knopf) gemutet/gecuttet.
Als besonderes Schmankerl aktiviere ich den Vocoder (der einen geloopten Akkord aus dem Ableton geschickt bekommt), worauf hin die Echo-Wiederholungen nun auch Harmonien transportieren.
*Midi Controller
Die Ableton-Live-Software (Version 7) auf dem abseitig positionierten 13″ Mac Book Pro ist das Tonträgerherz und wird mit einem Novation Launchpad ferngesteuert. Hier habe ich mir eine USER-1 Seite mit diversen Tools zusammengestellt (schau!), um spontan und DJ-like ein paar schöne Tracks vermischen zu können. Die so entstehende Stereosumme, ein intelligent mitlaufender Clicktrack, sowie der Extra-Kanal für den Vocoder werden mit einem Motu Traveler verteilt.
*Mischpult
Schlussendlich liegen an meinem Behringer-Rackmixer RX-1602 fünf Kanäle für den finalen Publikums-Mix an: Ableton-Summe, e-Kick, Handclap, Reverb-Shot, Echo.

Jetzt noch einen herzlichen Dank an Manuela Müller für die erläuternde Fotografie und an Andrea für ihre Photoshop-Sprechblase:

PS:  meine „Joy Division Reminiszenz“ hat jetzt auch olfaktorische Qualitäten; denn das politisch korrekte Meerwasserspray war leider zu leise, so dass ich notgedrungen die Dose mit dem Billig-Deo einsetzen MUSSTE… Sorry, Sorry an alle Versuchskanninchen: nächstes mal gibt’s was nach Patrick Süßkind’s Geschmack!

PPS: wer ebenso wie ich Oliver Mann’s Workshop zum Thema „Internet Marketing für Schlagzeuger“ verpasst hat, kann sich seine Zusammenfassung hier durchlesen.

6 Antworten to “Lehrertage”

  1. Workshop Percussion Creativ Teachertage « E-BEATS Says:

    […] elektronische Beat Kultur « getippt Lehrertage […]

  2. ollicajon Says:

    Hi Oli,
    deine Performance war ein geiler Abschluss der wirklich facettenreichen und knalligen Drummers Night! Hope to see and hear you again soon 🙂

    thx für den Trackback. Ein „auch Olli“

  3. ollicajon Says:

    … und ich hab dich übrigens gleich mal verlinkt im Blog versteht sich!

  4. Anselm Says:

    Hallo Oli,
    Vielen Vielen Dank für das sehr gute „handout“! Werde Dich mal kontaktieren im neuen Jahr. Bin ja auch Frankfurter! 😉

    Herzliche Grüße und ein Frohes Fest und einen Guten Rutsch.

    Anselm

  5. Jörg Says:

    Hallo Oli!

    Zunächst ein großes Kompliment für deine Darbietungen während der Teachertage! Es traten für mich einige neue u. interessante Facetten des Schlagzeugens zutage. Die Begeisterung mit der du deine Ideen entwickelst und umsetzt, ist dabei ein extra Schuss Inspiration, lässt so manchen Funken überspringen. Ss hat großen Spaß gemacht, dir zuzusehen/hören!
    Vielen Dank auch für das ausführliche handout!

    Dir u. deiner Familie schöne Weihnachtstage und ein gutes Neues Jahr!

    Gruß aus Rotenburg/Wümme

    Jörg

  6. Die Schlachthof Bronx inspiriert « E-BEATS Says:

    […] Soloperformances werden raviger angegangen: eine Trillerpfeife habe ich ja schon, aber das „Joy Division“ Meerwasserspray wird gegen eine Drucklufthupe getauscht, gegen […]

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