Groove in Germany

Anlässlich des Workshops auf dem „Groove in Germany“ Festival habe ich mir mal Gedanken und ne kleine Playlist zum Thema gemacht:

$ Can „Spoon“ (1972)
Auf diesem Track ist Jaki Liebezeit als einer der ganz frühen Trommler zu hören, der zum Rhythmus einer Beatbox spielt und somit das Groove-Gerüst immens erweitert.

$ Neu! „Super 78“ (1973)
Die Bandmaschine schneller laufen zu lassen ist kein ungewöhnlicher Kunstgriff in den 60er und 70er Jahren, ein simpler Trick mit effektvoller Wirkung: die Beats wirken tighter und klingen artifizieller als ihr Original. Am Schlagzeug sitzt übrigens Klaus Dinger.

$ Kraftwerk „Die Mensch Maschine“ (1978)
Kraftwerk zeigen der Welt wie man geile Musik mit Synthesizern und anderen elektronischen Gerätschaften machen.
Übersichtlicher E-Beat ohne Hihat. Dafür gibt es kleine 32tel Snare Rolls, wie wir sie von einem typischen Drum’N Bass Track her kennen.

$ Spliff „Das Blech“ (1982)
Herwig Mitteregger bearbeitet sein Simmons SDS-V.
Satt und laut im Mix.

$ Trio „Da Da Da“ (1982)
Casio Bleeps und ein eintaktiges Kick und Snare Pattern über 6 Minuten Länge. Very minimal!

$ Die Fantastischen Vier „Spießer“ (1991)
90er Hip Hop mit gesampleten die Beats, die 20 Jahre älter sind.
Beginnt mit meinem absoluten Lieblings Fill-In, dem „Good Fill“ von Tiki Fullwood vom Funkadelic Track „Good old Music“ (1970).

$ Sven Väth „An Accident in Paradise“ (1993)
Kühl, schnell, maschinell. „Papa Väth“ und Ralf Hildenbeutel lassen’s quantisiert krachen.

$ Flanger „Options in the fire“ (1999)
Lehrstunde für den Umgang mit Plug-Ins. Eine akustik Session (mit Burnt Friedman an den Drums) wird seziert, klanglich entrückt, schließlich eigen-und großartig zu einem Electric-Jazz Titel zusammen gesetzt.

$ Steve Bug „Loverboy“ (1999)
Minimalismus, Tetris-Samplelogik und charmante Klötzchenschieberei: groovt spannend.

$ Netzer „Deputy“ (1999)
Die programmierte Ästhetik eines Drum’N Bass Breakbeats im Jazzkontext.

deputy.jpg

$ Die Fantastischen Vier „Jetzt gehtsssssss ab“ (2000)
Nun werden alle Samples live umgesetzt. Mit Flo Dauner am Schlagzeug, Roland Peil an der Perkussion und And.Y an der Therapietrommel.

$ Fauna Flash „Tel Aviv“ (2001)
Gebastelter Nu-Jazz mit deutlichen Groove-Anleihen aus Südamerika.

$ Farben „Silikon“ (2002)
Glitch-Großmeister Jan Jelinek verschiebt, verknackt und berauscht sein Sample-Rohmaterial bis der Rhythmus rollt.

$ Jazzanova „Glow and Glare“ (2002)
Komplex programmierte Electro Beats der feinen Sorte.

$ Max Herre „Wie du bist“ (2004)
Wie ein cool gesetztes Beckensample den Groove besonders macht…

$ Soulphiction „Her (JMS Dub)“ (2006)
Jedes Sample ist Teil des Rhythmus. Michel Baumann lässt die technoiden Strukturen atmen, unterschiedliche Samplelängen machen’s möglich.

$ Wolfgang Haffner „Cruisin“ (2006)
Smooth und unaufgeregt rollen Snare und Kick durch ein Sechzehntel-Echo.

Übrigens: >>»Groove« […] ist ein etymologisch junges Wort. Es kommt von englisch »Rille« und verweist auf die Nähe zum Tonträger. Bevor es Schallplatten gab, sprach man vom »Swing«. Die beiden Begriffe meinen eigentlich das Gleiche, und doch gibt es einen gefühlten Unterschied: »Swing« entsteht durch Ausschläge an der Oberfläche, das jazztypische Treiben der Becken, während »Groove« tief in den Bässen wurzelt und sich deshalb auch nicht besonders sputen muss, um den Körper des Hörers in Schwingung zu versetzen.<< Quelle: Zeit 46/2005

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